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Pensionisten gefährden die Zukunft der jungen Arbeitnehmer.

Frau prüft Rechnungen am Tisch mit Sparschwein, Kalender und Pflanzen, im Hintergrund älteres Paar beim Kaffeetrinken.

Das Café war voller Laptops, In-Ears und leerer Kaffeebecher, wie die Pensionist:innen reinkommen sind. Drei waren’s, silbernes Haar, g’standene Mäntel, laut am Reden über Kreuzfahrten und Zweitwohnsitze. Am Nebentisch hat ein junger Mann in einem ausg’waschenen Hoodie finster auf seine Banking-App g’schaut und g’scrollt – mit derselben Angst, die man sonst nur bei medizinischen Befunden kennt. Die Pensionist:innen haben ihre Pensionszahlungen verglichen. Er hat g’rechnet, ob die Miete diesen Monat sein ganzes Gehalt auffrisst.

Die einen haben g’redet vom „endlich das Leben genießen“. Die anderen haben sich still g’fragt, ob das Leben überhaupt irgendwann g’scheit anfängt.

Der Kontrast war fast unanständig. Und trotzdem spielt sich die Szene jeden Tag ab: bequeme Pensionist:innen auf der einen Seite, ausgelaugte Hackler:innen auf der anderen – die Leistungen finanzieren, von denen sie ned einmal sicher sind, ob sie die je sehen werden.

Irgendwas an der Rechnung riecht nach einem Verrat in Zeitlupe.

Die stille Umverteilung vom Gehalt zur Pension

Der monatliche Lohnzettel ist zu einem Schlachtfeld worden, das man fast nie direkt sieht. Irgendwo zwischen Brutto und Netto verschwindet ein großer Brocken in Pensionssysteme, die vor Jahrzehnten gebaut worden sind – als die Leut mehr Kinder g’habt haben, kürzer g’lebt haben und ein Leben lang Vollzeit ang’stellt waren. Den jungen Arbeitnehmer:innen sagt man heut, das heißt Solidarität. Viele haben eher das Gefühl, das schaut aus wie eine Rechnung, der sie nie zugestimmt haben.

Die Mathematik ist gnadenlos: weniger Erwerbstätige, mehr Pensionist:innen, höhere Lebenserwartung. Eine schrumpfende Basis, die eine wachsende Spitze trägt. Irgendwann wird die Last erdrückend.

Schau nach Spanien: 1980 sind’s ungefähr fünf Erwerbstätige pro Pensionist:in g’wesen. Heut ist’s eher Richtung zwei. In Italien wird bis 2050 fast ein Drittel der Bevölkerung über 65 sein. In Japan fressen die Pensionskosten schon jetzt fast ein Viertel vom Staatsbudget.

Für eine 28-jährige Software-Entwicklerin in Paris oder Toronto heißt das: ein bekanntes Ritual. Gehalt kommt rein. Miete, Kredite, Lebensmittel, Abos, Studienkredit gehen raus. Und dann die Erkenntnis: Sozialbeiträge, die an Pensionen hängen, sind mittlerweile eine der größten unsichtbaren Ausgaben. Sie zahlen für die Pension von anderen – und gleichzeitig heißt’s: „Fang früh an zum Sparen“ für die eigene, und zwar allein.

Diese doppelte Belastung fühlt sich an wie eine Steuer auf die Zukunft.

Das System ist gebaut worden, als eine große, wachsende Mittelschicht leicht Pensionist:innen tragen konnte, die nach dem Berufsleben vielleicht fünf, maximal zehn Jahre g’lebt haben. Heut verbringen viele ein Drittel ihres Lebens in Pension – manchmal länger, als sie überhaupt gearbeitet haben – mit großzügigen Leistungen, oft an die Inflation gekoppelt. Junge Beschäftigte hüpfen meanwhile von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag und von Gig zu Gig; ihre Beiträge sind zerstückelt, ihre zukünftige Pension voller Lücken.

Das Ergebnis ist ein schräges Generationen-Paradoxon: Viele Pensionist:innen sind nicht reich, aber als Gruppe besitzen sie den Großteil vom Wohnraum, gehen öfter wählen und profitieren von Regeln, die ihre Einkommen stärker schützen als Löhne. Junge Leute finanzieren diesen Schutz, während ihr eigenes Sicherheitsnetz immer mehr wirkt wie eine Fata Morgana in der Hitze.

Wie junge Arbeitnehmer:innen aufhören können, die Opferkarte zu spielen

Es gibt eine harte Wahrheit, die keiner gern laut sagt: Das System wird sich nicht magisch reparieren, bevor du in Pension gehst. Auf „Reform“ warten ist wie hoffen, dass wer anderer deine Kreditkarte abbezahlt. Einer von den wenigen Hebeln, die junge Leute wirklich haben, ist daher: wie sie ihre eigenen Finanzen organisieren – jetzt, innerhalb von diesem unfairen Spiel.

Das fängt mit einem langweiligen, aber mächtigen Schritt an: Track deine echte Sparquote, nicht dein Einkommen. Wieviel Prozent von deinem Netto bleiben nach Fixkosten und „Spaßgeld“ tatsächlich bei dir? 5%? 15%? 0%? Diese Zahl zu erhöhen, auch langsam, ist das Nächste, was an eine private Pension rankommt, die du selbst in der Hand hast.

Viele schämen sich, wenn’s ums Sparen geht. Mieten sind irre, Löhne stagnieren oft, und ned jede:r kann einfach „weniger Avocado-Toast“ essen. Es geht auch nicht drum, Influencer-Frugalität vom Dachpool runter zu predigen. Es geht drum, ein oder zwei wiederkehrende Lecks zu finden und sie bewusst zu stopfen – ohne Schuldgefühl.

Kündig ein Abo. Verhandel einmal im Jahr eine Rechnung. Sag Nein zu einer Reise, die du dir grad nicht leisten kannst. Kleine, nervige Schritte, regelmäßig wiederholt, schaffen Platz. Und dann leitest du das freigewordene Geld zuerst in deine langfristigen Konten um, bevor’s im Alltag zerrinnt. Hand aufs Herz: Das macht keiner jeden einzelnen Tag. Aber einmal im Monat? Das ist schon seltene Disziplin.

Junge Arbeitnehmer:innen haben die Pensions-Zeitbombe nicht gebaut, aber sie stehen am nächsten dran, wenn’s kracht. Der echte Power-Move ist, nicht mehr davon auszugehen, dass der Staat einen auffängt, und sich still ein zweites Fallschirmerl zu bauen.

  • Schritt 1: Kenn deine Zahlen – Einkommen, Fixkosten und was übrig bleibt auflisten. Kein Urteil, nur Klarheit.
  • Schritt 2: Einen Transfer automatisieren – Sogar ein kleiner monatlicher Betrag in Sparen oder Investments, die du verstehst, ist besser als „mach ich später“.
  • Schritt 3: Schütz deine Erwerbsfähigkeit – Kurse, Skills, Netzwerk. Höheres Einkommen ist der einzige nachhaltige Weg aus der Zwickmühle.

Wenn Solidarität sich wie ein schlechtes G’schäft anfühlt

Die meisten jungen Arbeitnehmer:innen hassen Pensionist:innen nicht. Sie hassen ein Setup, in dem Loyalität zum System immer irrationaler wirkt. Man sagt ihnen, sie sollen geduldig sein, vertrauen, weiter Leistungen für andere finanzieren – während sie unbezahlte Praktika, absurd teures Wohnen und instabile Karrierewege jonglieren. Irgendwann klingt Solidarität wie ein Luxus, den sie sich nimmer leisten können.

Dann kommt die unangenehme Frage: Wie lang spielen’s da noch mit? Wenn immer mehr Menschen freelancen, ins Ausland gehen oder in der Schattenwirtschaft arbeiten, schrumpft der gemeinsame Topf. Pensionssysteme hängen am Vertrauen. Wenn das erodiert, ist’s schwer, das wieder aufzubauen.

Vielleicht ist der echte Bankrott nicht nur finanziell, sondern emotional. Eine Generation, die sich geopfert fühlt, wird nicht still eine Zukunft finanzieren, an die sie nimmer glaubt. Was als Nächstes passiert, ist noch nicht geschrieben – und jeder Gehaltszettel, jede Wahl, jede Migration und jede stille finanzielle Entscheidung formt diese Geschichte schon jetzt.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leser:innen
Demografie ist aus dem Gleichgewicht Weniger Erwerbstätige tragen mehr und länger lebende Pensionist:innen Hilft zu verstehen, warum sich der Lohnzettel so eng anfühlt
Doppelte Last für Junge Sie finanzieren aktuelle Pensionen und müssen die eigene zusätzlich selbst aufbauen Ermutigt zu früher, realistischer Planung statt blindem Vertrauen
Persönliche Strategie zählt Kleine, konstante Schritte bauen ein privates Sicherheitsnetz auf Gibt konkrete Schritte, um in einem unfairen System wieder Kontrolle zu gewinnen

FAQ:

  • Machen Pensionist:innen junge Arbeitnehmer:innen wirklich „bankrott“?
    Einzelne nicht. Als Gruppe profitieren sie von Regeln, die aus einer Zeit stammen, wo die Rechnung aufgegangen ist – während sich Demografie und Arbeitsmarkt verschoben haben. Das Problem ist strukturell, nicht moralisch.
  • Wird meine Generation noch eine staatliche Pension bekommen?
    Wahrscheinlich schon, aber mit späterem Pensionsantritt, geringerer Ersatzrate und mehr Bedingungen. Sich ausschließlich auf diesen Scheck zu verlassen, ist für alle unter 45 ein riskanter Tipp.
  • Soll ich aufhören einzuzahlen, wenn ich kann?
    Aussteigen, wo’s möglich ist, kann kurzfristig das Budget entlasten, aber es schmälert auch die eigenen Ansprüche und schwächt den gemeinsamen Topf. Die realistische Antwort ist meistens: „Einzahlen, aber sich nicht nur drauf verlassen.“
  • Was ist die erste konkrete Aktion, die ich diesen Monat setzen kann?
    Einen vollen Monat Ausgaben tracken und direkt nach dem Gehalt einen kleinen automatischen Transfer auf ein Spar- oder Investmentkonto einrichten. Sogar 2–3% vom Einkommen sind ein Anfang.
  • Wie red ich darüber mit meinen pensionierten Eltern oder Großeltern?
    Als Realitätsabgleich, nicht als Vorwurf. Erklär Wohnkosten, Löhne und Jobunsicherheit – und frag, wie das System funktioniert hat, als sie in deinem Alter waren. Brücken schlagen ist besser als Schuld zuweisen.

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