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Paare mit getrennten Konten wahren entweder ihre Unabhängigkeit oder bereiten sich heimlich auf Trennung oder Scheidung vor.

Zwei Personen halten Smartphones mit Finanz-Apps über einem Tisch mit Notizbuch, Schlüsseln und einer Tasse Kaffee.

Saturday in der Früh in einem vollen Brunch-Lokal landen zwei Teller Avocado-Toast am Tisch.

Die Kellnerin fragt: „Zsamm oder getrennt?“ – und das Paar erstarrt für a halbe Sekunde. Er schaut zu ihr, sie schaut zu ihm, und schließlich sagt sie: „Mia teilen’s. I überweis da eh.“

Er lacht’s weg, aber seine Finger werden a Spur fester um die Kaffeetasse. Sie zückt ihr Handy, öffnet ihre Banking-App mit der Routine von jemandem, der das schon tausendmal gmacht hat, und schickt ihm exakt den Betrag: 18,60 $. Kein Kommentar. Ka Drama. Nur a stille Linie zwischen „deins“ und „meins“.

An der Oberfläche wirkt das organisiert, erwachsen, sogar modern. Darunter bleibt die Frage hängen wie der Geruch von verbranntem Toast: Is das finanzielle Unabhängigkeit – oder a leise Generalprobe für a künftige Trennung?

Getrennte Konten: Freiheit oder Warnsignal?

Geld is in einer Beziehung nie nur Geld. Es is Macht, Geschichte, Kindheitsängste und all die Gschichtln, die ma sich über Sicherheit erzählt. Wenn Partner:innen beschließen, getrennte Konten zu haben, sagen’s oft, es sei „einfacher“ oder „fairer“. Manchmal stimmt das wirklich.

Es is a Gefühl von Luft zum Atmen, wenn du weißt, du kannst dir an Kaffee, a Kleid oder a Videospiel kaufen, ohne nachher a finanzielle Nachbesprechung. Du fühlst di net beobachtet. Du fühlst di net wie a Teenager, der um Erlaubnis fragt. Für viele, die in Haushalten aufgwachsen sind, wo ein Elternteil jede Ausgabe kontrolliert hat, fühlen sich getrennte Konten an wie a stille Rache an der Vergangenheit.

Auf der anderen Seite kann genau diese Trennung zu einer stillen Mauer werden. Wenn „mein Geld“ und „dein Geld“ nie zammkommen, kann das a tiefere Distanz spiegeln. Und den Teil postet ka Mensch auf Instagram.

A 34-jährige Krankenschwester, die i interviewt hab – nennen ma’s Emma – is seit acht Jahren mit ihrem Partner zamm. Sie wohnen zamm, teilen an Hund und an Netflix-Account, aber keine einzige Bankomatkarte. „Wir teilen alles genau in der Mitte“, hat sie zu mir g’sagt. Miete, Einkäufe, Rechnungen, Wochenendtrips. Jeden Monat überweisen’s hin und her wie zwei Firmen, die Rechnungen ausgleichen.

Am Anfang hat sie die Autonomie g’liebt. Sie hat ihrer Schwester heimlich mit einem Kredit helfen können. Er hat teure Lautsprecher kaufen können, ohne schlechtes Gewissen. Dann, irgendwann, hat er seinen Job verloren. Drei Monate lang hat Emma mehr von der Miete getragen, während er seine Ersparnisse aufgebraucht hat. Da is ihr aufgefallen: Sie hatte ka Ahnung, wie viel er wirklich hat, wie viele Schulden er mitschleppt, wie knapp’s bei ihnen eigentlich is.

„I hab plötzlich verstanden, dass i mir a Leben auf finanziellen Informationen aufbau, die i gar net hab“, hat sie g’sagt. Die getrennten Konten haben das Problem net verursacht. Sie haben’s nur viel leichter gmacht, dass ma’s net kommen sieht.

Rein praktisch können getrennte Konten sehr gut funktionieren. Sie vermeiden Streitereien darüber, „wer mehr ausgibt“ oder warum bei einer Person alle zwei Tage Amazon-Packerln ankommen. Finanzielle Autonomie is a echtes Bedürfnis – besonders, wenn beide ihr eigenes Einkommen haben und a Stück privaten Raum bewahren wollen.

Dahinter steckt auch a Veränderung bei den Geschlechterrollen. Viele Frauen haben g’sehn, wie ihre Mütter in schlechten Ehen geblieben sind, weil’s ka eigenes Geld hatten. Für sie fühlt sich ein einziges gemeinsames Konto an wie in a Falle zu gehen – selbst wenn der Partner liebevoll und unterstützend is. Ein eigenes Konto kann sich anfühlen wie a Rettungsweste, die ma hoffentlich nie braucht.

Trotzdem: Wenn getrennte Konten zur Ausrede werden, dass ma langfristige Pläne nie wirklich teilt, dann sitzt vielleicht die Angst am Steuer. Wenn die unausgesprochene Botschaft lautet: „I bin bei dir … aber nur, solange’s mi net z’viel kostet“, dann schaut der Kontostand plötzlich sehr nach einer Vor-Trennungsprobe aus.

Wie ma getrennte Konten nutzen kann, ohne heimlich den Abgang zu planen

Es gibt an Mittelweg, den viele Paare still wählen: das System „deins, meins und unsers“. Die Idee is simpel: Jede:r behält ein eigenes Konto für persönliche Ausgaben und Sparziele. Zusätzlich gibt’s ein gemeinsames Konto für alles, was das gemeinsame Leben betrifft: Miete oder Kreditrate, Lebensmittel, Betriebskosten – vielleicht auch Urlaub und größere Projekte.

Jeden Monat überweisen beide einen fixen Betrag oder an Prozentsatz vom Einkommen auf dieses gemeinsame Konto. Net zwingend 50/50. Wenn eine Person deutlich mehr verdient, kann sie auch mehr beitragen. Die Regel is net „gleich viel Geld“, sondern gleich viel Einsatz. Vom gemeinsamen Konto wird das gemeinsame Leben bezahlt. Die privaten Konten zahlen die privaten Entscheidungen.

Das Modell bringt das Beste aus beiden Welten: Transparenz für die gemeinsame Zukunft. Freiheit für private Wünsche. Weniger Raum für Misstrauen. Mehr Raum für Großzügigkeit.

Wo die meisten Paare stolpern, is net die Konto-Struktur selbst, sondern das Schweigen rundherum. Du kannst getrennte Konten haben und finanziell trotzdem total verbunden sein – wenn du offen redest. Oder du kannst ein komplett gemeinsames Konto haben und trotzdem Kreditkarten, Schulden oder Frust verstecken. Seien ma ehrlich: Ka Mensch macht das jeden Tag perfekt.

Die Falle is der Gedanke: „Getrennte Konten heißt, wir müssen net übers Geld reden.“ Genau dort fängt manchmal – oft unbewusst – die Vorbereitung auf Verrat an. Eine Person spart „für alle Fälle“. Die andere zahlt mehr, um net fragen zu müssen, und fühlt sich langsam ausgenutzt.

Es geht auch sanfter. Plant einmal im Monat a Geld-Gspräch ein, so wie ma an Zahnarzttermin einplant. Net über jeden Kaffee und jedes T‑Shirt, sondern über die Richtung. Sparen. Träume. Ängste. Fragt’s euch: „Wenn mir was Schlimmes passiert, würdest du dich sicher fühlen?“ Allein diese Frage zeigt oft mehr als jeder Kontoauszug.

„Wir haben unser Geld jahrelang getrennt g’habt“, hat mir a 41-jährige Leserin g’schrieben. „Als mein Mann operiert worden is und net arbeiten hat können, hab i gemerkt: I hab ihm nie g’sagt, wie viel i eigentlich spar. I wollt net weg. I war einfach nur ang’stlich. Seitdem haben wir a gemeinsames Konto fürs Haus gemacht und i hab ihm meine Zahlen gezeigt. Es war, als würd ma a Fenster aufmachen.“

Damit getrennte Konten net unbemerkt zu Trennungs-Vorbereitungen werden, helfen ein paar einfache Leitplanken:

  • Habt’s zumindest ein gemeinsames Konto für gemeinsame Lebensausgaben.
  • Redet’s über Schulden: Studienkredite, Kreditkarten, alte offene Rechnungen.
  • Vereinbart’s eine Grenze: Ab X Euro/Dollar reden wir vorher, bevor wir’s ausgeben.
  • Legt’s fest, was passiert, wenn eine:r den Job verliert oder krank wird.
  • Schaut’s euch euer System einmal im Jahr an: Is es noch fair, oder braucht’s Anpassungen?

Du musst net jeden Beleg herzeigen oder um finanzielle Erlaubnis bitten. Aber ihr braucht a gemeinsame Geschichte. Ohne die können getrennte Konten ganz leise zu getrennten Zukünften werden.

Schützen wir die Liebe – oder schützen wir uns vor der Liebe?

Im Kern steckt da a Frage, die weniger mit Geld zu tun hat und mehr mit Vertrauen. Wenn ma sich krampfhaft an „unser“ Konto klammert, hält ma manchmal eigentlich an der Fantasie fest, von Verlust unberührt zu bleiben. Wenn alles schiefgeht, hab i zumindest das. Dann kann i weg. Dann bin i net gefangen wie meine Eltern.

Der Impuls is net falsch. Er is menschlich. Die Herausforderung is net, ihn wegzudrücken, sondern ihn ins Licht zu holen. Dass ma dem Menschen, den ma liebt, sagen kann: „I brauch a bissl finanzielle Unabhängigkeit, weil i mi dann sicherer fühl – aber i will net, dass das heißt, i bin immer halb bereit zum Gehen.“

Die Paare, die am stabilsten wirken, sind net unbedingt die mit den am meisten zammglegten Konten oder den dicksten Eheverträgen. Sondern die, die über Geld reden können, ohne Scham, Wut oder Punkte-Zählen. Die sagen können: „I hab Angst“, statt: „Das is meins.“

Wir kennen’s alle: diesen Moment, wo ma kurz zögert, bevor ma die Karte hinhält – oder den Stich, wenn der/die Partner:in was kauft, das ma heimlich verurteilt. Vielleicht is die eigentliche Frage net „gemeinsam oder getrennt?“, sondern: „Welche Geschichte erzählen unsere Konten über uns?“ A Geschichte von Partnerschaft. A Geschichte von Angst. A Geschichte von stiller Großzügigkeit. Oder a Geschichte, die noch neu g’schrieben werden muss.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leser:innen
Getrennt vs. gemeinsam is net nur technisch Konto-Modelle spiegeln Vertrauen, Macht und Erfahrungen aus der Vergangenheit Hilft, Geldentscheidungen als emotional – net nur praktisch – zu sehen
„Deins, meins und unsers“ kann Spannungen entschärfen Ein gemeinsames Konto fürs gemeinsame Leben, eigene Konten fürs persönliche Ausgeben Bringt Autonomie, ohne Transparenz zu opfern
Reden schlägt jedes Konto-Setup Regelmäßige, ruhige Geld-Gspräche reduzieren Geheimniskrämerei und stillen Groll Gibt Werkzeuge, um Liebe und Unabhängigkeit zu schützen

FAQ:

  • Frage 1: Sind getrennte Bankkonten a Zeichen, dass a Paar einander net vertraut?
  • Frage 2: Wie können wir von komplett getrennten Finanzen auf a Mischsystem umsteigen, ohne dass gleich Streit ausbricht?
  • Frage 3: Is es unfair, wenn eine Person viel mehr verdient, aber trotzdem auf 50/50 beim Teilen besteht?
  • Frage 4: Sollten wir über Schulden und Ersparnisse reden, bevor wir zammziehen oder heiraten?
  • Frage 5: Was, wenn i a Sicherheits-Polster „für alle Fälle“ will, aber mein:e Partner:in das als Abgangsvorbereitung sieht?

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