Der erste Moment, in dem du’s bemerkst, ist selten dramatisch. Ein zarter dunkler Rand in der Duschecke. Ein säuerlicher, leicht erdiger Geruch, wenn du die Badezimmertür aufmachst. Anfangs redest du dir ein, es sei nur die Feuchtigkeit, und du wirst „am Wochenende“ eh ordentlich schrubben. Dann breiten sich die Flecken aus: hinterm Wäschekorb, am Fensterrahmen hinauf, auf den Silikonfugen, die du erst vor gar nicht so langer Zeit erneuert hast.
Eines Tages wischst du den Spiegel ab und siehst es ganz klar: Schimmel hat sich dein intimstes Zimmer geschnappt.
Du reißt das Fenster weiter auf, sprühst chemische Mittel, die in der Nase brennen, hustest ein bissl – und zwei Wochen später sind die gleichen schwarzen Punkte wieder da, hartnäckig und ein kleines bisschen spöttisch.
Und wenn dir dann wer von einer einfachen grünen Pflanze erzählt, die dabei helfen könnte, hörst du zu.
Weil du ehrlich gesagt müde bist, ständig gegen die Wände zu kämpfen.
Diese unauffällige Pflanze, die dort aufblüht, wo Schimmel am liebsten wächst
Unter all den Zimmerpflanzen, die auf Instagram herumparadieren, taucht eine immer wieder auf, sobald es um feuchte Räume geht: der schlichte Bostonfarn. Lange, üppige Wedel, ein sattes, leicht wildes Aussehen – und vor allem ein erstaunlicher Gusto auf Luftfeuchtigkeit.
Während deine Wände unter zu viel Nässe leiden, trinkt die Pflanze sie quasi weg und macht aus deinem Bad eher so etwas wie einen kleinen Urban Jungle. Dampf nach dem Duschen? Beschwert sie sich nicht. Sie liebt’s.
Genau dieser Unterschied zwischen unserem Frust und ihrem Wohlbefinden macht sie so nützlich.
Eine Leserin aus Paris hat mir von ihrem winzigen, fensterlosen Bad erzählt. Jeden Winter kam oberhalb der Tür wieder schwarzer Schimmel, obwohl sie nach jeder Dusche die Fliesen abgewischt hat. Sie hat alles probiert: Chlor-Sprays, Anti-Feuchtigkeits-Farbe, Entfeuchter-Tabs, die viel zu schnell zerfließen.
Eines Tages stellte sie einen großen Bostonfarn auf ein hohes Regal – genau gegenüber der Dusche. Innerhalb eines Monats fiel ihr etwas Ungewöhnliches auf: Der Spiegel war nach heißen Duschen weniger beschlagen. Der modrige Geruch wurde schwächer. Über der Tür hörte der Schimmel auf, sich auszubreiten, und die Wand fühlte sich trocken an.
Nix Wundersames. Nur eine Pflanze, die still und leise ihren Job macht – Tag für Tag.
Hinter dieser fast beiläufigen Geschichte steckt eine einfache Erklärung: Schimmel liebt stehende Feuchtigkeit und schlecht gelüftete Ecken. Der Bostonfarn hingegen wirkt wie ein natürlicher Schwamm. Er nimmt Feuchtigkeit über die Blätter auf und gibt sie langsamer wieder an die Luft ab – dadurch stabilisiert er das Raumklima.
Zusammen mit auch nur halbwegs ordentlicher Lüftung bremst diese kleine Regulierung genau jene Bedingungen, unter denen sich Schimmel stark vermehrt. Sporen tun sich schwerer, Flächen zu besiedeln, die nicht stundenlang nass bleiben.
Und seien wir ehrlich: Kaum wer wischt wirklich jeden einzelnen Tag nach dem Duschen Fliesen und Fugen ab. Eine Pflanze, die zwischen zwei Motivationsschüben den Schaden begrenzt, ist schon eine kleine Revolution.
Wie du deinen Bostonfarn zum Anti-Schimmel-Verbündeten machst
Die wirksamste Geste ist gleichzeitig die einfachste: Stell den Farn dorthin, wo sich der Dampf sammelt. Praktisch heißt das: so nah wie möglich bei Dusche oder Badewanne – aber so, dass kein Wasser direkt in den Topf spritzt. Ein hohes Regal, ein Hängekorb über der Duschvorhangstange oder der obere Teil eines hohen Kastens funktioniert super.
Diese Platzierung sorgt dafür, dass die Pflanze genau dann am meisten Feuchtigkeit aufnimmt, wenn sie am höchsten ist – also während und direkt nach dem Duschen.
Wenn’s geht, mach gleichzeitig das Fenster einen Spalt auf oder lass die Tür angelehnt. Der Farn ersetzt die Lüftung nicht – er unterstützt sie.
Viele geben Farne wieder auf, weil sie „einfach so eingehen“. In Wahrheit gehen sie aus sehr konkreten Gründen ein: zu trockene Luft, zu warm oder zu kalt, oder Erde, die zwischen Sumpf und Wüste schwankt. Ein Bostonfarn im Bad hat da einen echten Vorteil: Die Luftfeuchte ist hoch und relativ konstant.
Was er trotzdem braucht, ist indirektes Licht – nicht volle Sonne, die durch ein kleines Fenster reinscheppert. Wenn dein Bad gar kein Fenster hat, kannst du abwechseln: zwei Wochen im Bad, eine Woche in einem helleren Raum.
Und keine Panik, wenn ein paar Wedel gelb werden oder die Spitzen austrocknen. Das ist normal. Kurz zurückschneiden, dann treibt er wieder schön nach.
„Seit ich einen großen Farn im Bad hab, hab ich diesen feuchten Geruch nicht mehr“, erzählt Lucie, die im Erdgeschoß eines alten Hauses wohnt. „Es ist nicht Zauberei, ich putz eh noch, aber der Schimmel frisst sich nicht mehr wie früher an die Decke. Und ehrlich: Grün ist einfach netter anzuschauen als eine Chlorflasche am Wannenrand.“
Damit die Chancen wirklich gut stehen, helfen ein paar einfache Regeln:
- Nimm von Anfang an einen kräftigen, gesunden Farn mit dichtem Blattwerk.
- Verwende einen atmungsaktiven Topf (Terrakotta) mit Abzugslöchern – ohne Ausnahme.
- Gießen, wenn die oberste Erdschicht leicht trocken ist: nicht knochentrocken, aber auch nicht patschnass.
- Abgestorbene oder braune Wedel entfernen, damit die Pflanze Energie fürs neue Wachstum hat.
- Den Topf jede Woche um eine Vierteldrehung drehen – für gleichmäßigen, dichten Wuchs.
Über die Pflanze hinaus: ein anderer Blick auf feuchte Räume
Ein Bostonfarn repariert keine undichten Leitungen und behebt auch keine Wärmebrücken in alten Wänden. Er ersetzt weder einen gscheiten Ventilator noch gute Dämmung. Und trotzdem verändert er etwas Subtileres: wie wir unsere feuchten Räume bewohnen.
Statt uns mit Schimmel abzufinden oder nur mit aggressiven Chemikalien dagegen anzurennen, holen wir uns einen lebendigen Verbündeten ins Zimmer. Eine kleine tägliche Erinnerung daran, dass die Luft, die wir atmen, sich beeinflussen lässt – zähmen, mildern, filtern.
Manche reden irgendwann sogar mit ihrem Farn beim Zähneputzen. Andere stellen noch eine zweite Pflanze dazu, vielleicht eine Einblatt (Spathiphyllum) oder eine Efeutute, um den Effekt zu verstärken. Und nach und nach ist das Bad nicht mehr nur ein funktionaler Raum, sondern ein Ort, wo man sich tatsächlich gern aufhält.
| Kernaussage | Detail | Nutzen für dich |
|---|---|---|
| Bostonfarn nimmt Feuchtigkeit auf | Die Pflanze gedeiht in feuchten, dampfigen Umgebungen wie dem Badezimmer | Hilft, Bedingungen zu reduzieren, unter denen Schimmel an Wänden und Fugen entsteht |
| Strategische Platzierung zählt | Nahe bei Dusche oder Wanne, in indirektem Licht, weg von Spritzwasser | Maximiert die Feuchtigkeits-Regulierung genau dort, wo Probleme auftreten |
| Einfache, sanfte Pflege | Regelmäßig, aber maßvoll gießen; abgestorbene Wedel schneiden; ggf. drehen | Langlebige, günstige, natürliche Ergänzung zu Putzen und Lüften |
FAQ:
- Kann ein Bostonfarn Anti-Schimmel-Mittel komplett ersetzen?
Nicht wirklich. Der Farn hilft, die Luftfeuchte zu regulieren und damit Schimmel zu begrenzen, aber er tötet bestehende Kolonien nicht ab. Am besten wirkt er gemeinsam mit Reinigung, guter Lüftung und – falls nötig – gezielten Anti-Schimmel-Behandlungen.- Was, wenn mein Bad gar kein Fenster hat?
Du kannst trotzdem einen Bostonfarn verwenden, aber er braucht Lichtphasen. Stell ihn einen Teil der Woche ins Bad und bring ihn den Rest der Zeit in einen helleren Raum. Manche wechseln einfach zwei Pflanzen zwischen Bad und Wohnzimmer durch.- Wie groß sollte der Farn sein, damit man wirklich was merkt?
Ein kleiner ist besser als gar keiner, aber ein mittelgroßer bis großer Farn mit dichtem Blattwerk nimmt deutlich mehr Feuchtigkeit auf. Ziel: ein Topf mit mindestens 20–25 cm Durchmesser für einen spürbaren Effekt in einem normalen Bad.- Gibt’s andere Pflanzen, die gegen Feuchtigkeit und Schimmel helfen?
Ja, manche Pflanzen mögen feuchte Luft ebenfalls: Einblatt, Efeutute, Grünlilie oder Efeu. Der Bostonfarn bleibt ein Favorit fürs Bad, weil er besonders „gierig“ nach Feuchtigkeit ist und optisch so üppig wirkt.- Besteht die Gefahr, dass im Topfsubstrat Schimmel entsteht?
Ein leichter weißer Flaum auf der Erdoberfläche kann auftauchen, wenn zu viel gegossen wird oder die Luft nicht zirkuliert. Einfach die oberste Schicht abkratzen, seltener gießen und besser lüften. Gute Drainage im Topf senkt das Risiko stark.
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