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Die Psychologie zeigt: Menschen mit geringem Selbstwert wählen oft drei bestimmte Farben – und das kann Hinweise auf ihren Gemütszustand geben.

Ein Mann steht vor einem offenen Kleiderschrank und hält einen grauen Pullover und einen beigen Pullover in der Hand.

Der neulich ist a Frau in an blaugrauen Pulli zehn Minuten lang vor ana Wand voller Handyhüllen gstaundn. Knallige Rot-, sonnige Gelb- und Neon-Grüntöne – ois war dabei. Sie hat a hellblaue in die Hand gnommen, kurz gezögert, dann leise wieder zrucklegt und sich für a weiches, fast unsichtbares Beige entschieden. Ihr Partner hat g’lacht: „Warum nimmst du nie was Lustiges?“ Sie hat g’lächlt, aber ihre Schultern san a bissl abgesackt.

An da Café-Theke siehst des Gleiche mit Häferln. Im G’wandg’schäft mit T‑Shirts. In Wohn-Deko-Läden mit Polster und Bettwäsche. Wenn Leit ihre „Alltagsfarben“ aussuachn, erzählen’s oft G’schichten, die’s net laut sagen.

Die Psychologie hat ein paar Ideen zu diesen stillen G’schichten.

Die drei Farben, die Menschen mit niedrigem Selbstwert g’rad heimlich anziehn

Farbpsycholog:innen bemerken oft des gleiche Trio bei Menschen, die an sich zweifeln: ausgewaschenes Blau, stumpfes Grau und Beige- oder „Nude“-Töne. Net die grellen, kräftigen Varianten – sondern die weichen, a bissl müden, die mitm Hintergrund verschmelzen.

Diese Schattierungen fühlen sich sicher an. Sie schreien net. Sie verlangen kan Platz. Wenn die innere Stimme eh schon flüstert „Sei net zu viel“, dann werden gedeckte Farben zu am leichten Unterschlupf.

Auf ana vollen Straße oder im Großraumbüro lassen dich diese Töne wie a Geist durchgehn: da, aber net ang’starrt. g’sehen, aber nie im Mittelpunkt.

Denk an a Arbeitsbesprechung. A Kolleg:in kommt im tiefroten Hemd, a andere in leuchtend grünen Sneakers, und wer in ana übergroßen beigen Strickjackn, die wirkt, als war’s a Nummer zu groß. Wenn’s dann a Gruppenfoto gibt: Wer rutscht an Rand vom Bild?

Fragst später nachm roten Hemd, werden’s sich erinnern. Fragst nach da beigen Strickjackn, hörst: „Ah ja, stimmt, die/der war eh a dabei, oder?“ Dieses leise Verschwinden kann sich bequem anfühlen für wen, der insgeheim glaubt, er/sie verdient ka Aufmerksamkeit.

Wir kennen’s eh alle – den Moment, wo ma still die Farbe nimmt, die garantiert, dass niemand was zum Outfit oder zur neuen Tasche sagt.

Psycholog:innen sagen net, dass Grau, Blau oder Beige „schlechte“ Farben san. Für sich allein san’s einfach Pigmente. Entscheidend is des Muster: immer die Schattierung zu wählen, die dich a Stückerl auslöscht.

Niedriger Selbstwert geht oft mit dem Bedürfnis einher, Risiko, Sichtbarkeit und Bewertung zu vermeiden. Laute Farben fühlen sich an wie a Auftritt auf da Bühne. Sanfte, neutrale wie im Dunkeln vom Publikum sitzen. Farbe wird zur sozialen Tarnung.

Das Hirn lernt: „Wenn i ausschau wie die Wand, nimmt mi kana ins Visier.“ Mit der Zeit bestätigt die Gewohnheit ganz leise die Überzeugung, dass ma sicherer is, wenn ma kleiner, leiser und optisch verschwommener is.

Was diese Farbwahl vielleicht über die Person drinnen aussagt

Ein praktischer Zugang, wie Therapeut:innen diesen Zusammenhang beobachten, is: Patient:innen sollen Farbkarten aussuachn, die sie selbst darstellen. Menschen mit brüchigem Selbstwert greifen oft zuerst zu Grau. Net zu Schwarz. Zu Grau.

Schwarz kann a Schutz sein, a Statement, sogar a Rebellion. Grau fühlt sich oft an wie a Verblassen – wie etwas, das früher lebendig war und zu oft g’woschn worden is. Wenn wer sagt: „I mag halt Grau, des passt zu allem“, und es is das Einzige, was er/sie jemals nimmt, dann erzählt diese Konsequenz a G’schicht.

Sie kann auf a stille Überzeugung hindeuten: „I bin net die Hauptfigur in irgendeinem Raum.“

Blau is komplexer. Kräftiges, königliches Blau wird oft mit Selbstvertrauen, Vertrauen und Klarheit verbunden. Aber das weiche, blasse, staubige Blau – fast wie a ausgewaschener Himmel – kann a anderes Signal sein.

Stell da an Teenager vor im G’schäft mit am Elternteil. Die Augen leuchten bei am knalligen türkisfarbenen Hoodie. Der Elternteil hebt die Augenbraue: „Is des net a bissl viel?“ Ein paar Jahre später kauft der/die Teenager nur mehr verwaschene Jeans, hellblaue Hemden – Farben, die ka Aufmerksamkeit holen. Dieser kleine Moment Scham wird in die Farbpalette eincodiert.

Jahre vergehen, und dann heißt’s achselzuckend: „I bin halt a Blau-Typ.“ Darunter liegt a Vorg’schicht, wo ma sanft g’lernt hat, net „zu laut“ zu strahlen.

Beige und „Nude“-Töne verstecken oft no a Schicht. Sie werden verkauft als „elegant“, „minimalistisch“, „klassisch“ – und das kann stimmen. Trotzdem wird Beige für viele Menschen, die sich innerlich „zu viel“ fühlen, zur Methode, sich runterzudrehn.

Wer das Gefühl hat, der eigene Körper is zu groß, zu sichtbar, flüchtet vielleicht vor grellen Farben und Mustern. Wer aufgwachsen is mit Kritik, er/sie „sucht Aufmerksamkeit“, bleibt eher bei den sichersten, unauffälligsten Tönen. Beige fühlt sich an wie Erlaubnis zu existieren, ohne Ärger zu machen. Es is die Farbe der stillen Erlaubnis.

Seien ma ehrlich: Niemand analysiert des jeden Tag komplett durch. Aber der Körper merkt sich’s – und der Kasten zeigt’s oft.

Wie du deine Farb-G’schicht sanft umschreiben kannst – ohne di zu zwingen

A kleine, praktische Methode, die in manchen Coachings verwendet wird, is die „Ein‑Stufe‑rauf“-Regel. Die Idee is net, von Grau auf Neon-Orange über Nacht zu springen. Sondern nur a Spur heller oder kräftiger zu gehen als normal.

Wenn du immer stumpfes Grau kaufst, probier a weiches Anthrazit mit leichtem Blaustich. Wenn du in hellem Beige lebst, test a warmes Sand oder Camel. Wenn dein Favorit ausgewaschenes Blau is, geh Richtung klareres Himmelblau. Die Änderung wirkt machbar, aber der Spiegel schickt dir a bissl a andere Botschaft zruck.

Du bringst deinem Hirn Schritt für Schritt bei: „I kann in Farbe existieren, und es passiert nix Schlimmes.“

Viele machen den Fehler und glauben, Veränderung muss dramatisch sein. Sie stellen sich an knallroten Mantel vor und fühlen sich dann lächerlich beim ersten Tragen. Der Mantel landet hinten im Kasten – und die alte Überzeugung gewinnt wieder.

Farb-Arbeit braucht Freundlichkeit. Wenn dein Selbstwert fragil is, kann fluoreszierend „draufknallen“ sich anfühlen wie Stadionlicht in am finsteren Raum. Fang mit Details an: Socken, Handyhülle, Notizbuch, Ohrringe.

Diese Mini-Entscheidungen san wie kleine Wiederholungen im Fitnessstudio. Sie trainieren dein Nervensystem, a bissl sichtbarer zu sein – ohne dass es gleich zu viel wird.

„Leit entschuldigen sich oft bei mir, weil’s dunkle oder neutrale Farben mögen“, sagt a Farb- und Imageberater:in. „I sag dann: Deine Lieblingsfarbe is net der Feind. Das Problem is, wenn’s das Einzige is, was du dir erlaubst – aus Angst statt aus G’schmack.“

  • Füg ein „Energie“-Teil dazu: Schal, Gürtel oder Ring in am a bissl mutigeren Ton als sonst.
  • Nütz Kontrast: Kombinier dein geliebtes Grau oder Beige mit aner klaren Farbe, z. B. Navy oder Tannengrün.
  • Test Farbe zuerst im Privaten: Pyjama, Home‑T‑Shirts, Polsterüberzüge – damit sich die Augen ohne sozialen Druck dran g’wöhnen.
  • Spiel mit Textur statt Helligkeit: reichere Stoffe können ausdrucksstark sein, ohne nach Aufmerksamkeit zu schreien.
  • Frag di einmal im Monat: „Wenn i heut 20 % selbstsicherer wär – würd i die gleiche Farbe wählen?“ und schau, was als Antwort kommt.

Farben beurteilen di net – aber sie können di sanft sichtbar machen

Die eigentliche Frage is net: „Trag i Blau, Grau oder Beige?“ Die eigentliche Frage is: „Warum wähl i’s immer – und wie fühl i mi dabei?“ Wer a stabiles Selbstwertg’fühl hat, kann an grauen Pulli und an beigen Mantel lieben und trotzdem mit ruhiger Präsenz in an Raum gehen.

Für wen, der insgeheim am eigenen Wert zweifelt, können die gleichen Farben a Versteck werden. A visuelle Art zu sagen: „Schau net zu genau her.“ Das heißt net, dass du die Hälfte vom Kasten wegschmeißen musst. Es heißt, du kannst anfangen, ihm zuzuhören.

Manchmal geht’s beim Griff zu aner a bissl helleren Schattierung weniger um Mode und mehr drum, a neue G’schicht zu testen, wer du sein darfst. Und diese Veränderung beginnt oft an den gewöhnlichsten Orten: vor am G’wandständer, bei ana Farbkarte, oder bei am kleinen Display mit Handyhüllen, wo die Hand a Sekunde zögert, bevor sie wieder zur sichersten Farbe greift.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leser:innen
Drei „Low‑Self‑Esteem“-Farben Gedecktes Blau, stumpfes Grau und Beige/Nude tauchen oft auf, wenn Menschen untertauchen wollen Hilft dir zu erkennen, ob deine Wahl G’schmack is oder Selbst-Auslöschung
Farbe als Tarnung Immer wieder den unauffälligsten Ton zu nehmen kann Angst vor Aufmerksamkeit oder Bewertung spiegeln Lädt di ein, stille Gewohnheiten zu hinterfragen, die di klein halten
Sanftes Ausprobieren „Ein‑Stufe‑rauf“-Regel und kleine Farbakzente Bietet an realistischen Weg, Selbstvertrauen aufzubauen, ohne di zu überfordern

FAQ:

  • Frage 1: Heißt es automatisch, dass i wenig Selbstwert hab, wenn i Grau oder Beige mag?
    Überhaupt net. Das Signal is net die Farbe, sondern die Starrheit. Wenn du dich ängstlich oder „zu ausg’stellt“ fühlst, sobald du was anderes trägst, dann sagt dieses Muster mehr aus als die Farbe.
  • Frage 2: Kann Therapie wirklich mit Farben arbeiten, oder is das nur a Trend?
    Viele Therapeut:innen und Coaches nutzen Farben als eines von mehreren Werkzeugen, um Selbstbild zu erforschen. Es is ka Zaubertrick, eher a Spiegel, der Gefühle sichtbar machen kann, die schwer in Worte zu fassen san.
  • Frage 3: Was, wenn i ehrlich nur minimalistisches, neutrales Design mag?
    Das kann total authentisch sein. A einfacher Test: „Wenn mich niemand beurteilen würd – würd i’s trotzdem wählen?“ Wenn ja, geht’s eher um G’schmack als um Angst.
  • Frage 4: Gibt’s Farben, die universell Selbstvertrauen stärken?
    Es gibt ka universelle Formel, aber viele berichten, dass sie sich in satten, klaren Farben stärker fühlen – z. B. tiefem Blau, Smaragdgrün oder kräftigem Burgunder. Die „richtige“ Selbstvertrauensfarbe is die, bei der sich deine Haltung a bissl verändert, sobald du’s anziehst.
  • Frage 5: Wie fang i an, wenn i mi in grellen Farben lächerlich fühl?
    Fang klein und privat an: bunte Socken, Unterwäsche, Schlafg’wand oder a Notizbuch. Lass Augen und Nervensystem in sicheren Situationen umstellen, bevor du mehr Farbe in deine öffentlichen Outfits bringst.

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