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Die Nachbarin hat sie seit zwei Jahren nicht gesehen: Eine Pensionistin nutzt ihre Gemeindewohnung als Zweitwohnsitz und wehrt sich gegen die Kündigung.

Ältere Frau mit Koffer und Tasche betritt Raum, Hintergrund unscharf, Sonnenlicht durch Fenster, Holzboden.

Von da Podest’n im dritten Stock steht nur no’ da Fuasabtreta do, wo ihr Nam draufsteht.
Da Nochboa aus 3B hod d’Pensionistin seit zwoa Joahr nimma gsehn. Ka Gschirrklappern, ka dumpfa Fernseher in da Nocht, ka Supp’duft, der unterm Türspalt durchzieht. Nur Stü, a versperrtes Postkastl und Vorhäng, de si nia rührn.

Trotzdem: D’Miet wird pünktlich zahlt – wia a Uhrwerk.

Im Haus wird gflüstert, sie sei „zuruck aufs Land“, in a kloans Haus am Meer, wo d’Sunn gnädiga is mit ihrn Rheuma. Da soziale Vermieta sieht aber wos ganz Ondas: a gförderte Wohnung, zu wenig bewohnt und als „Zweitwohnung“ gnutzt – während Hunderte Familien auf da Wartelist’n für a Gemeind’/Sozialwohnung steh’n.

Jetzt hod a Richter die Räumung unterschrieb’n.

Und sie weigert si, still und leise z’geh’n.

Wenn „Dahoam“ auf amoi zwoa Ort’ is

Mit 74 teilt d’Denise (Name gändert) ihr Leb’n zwischen am kloanen Küstenort und dera bescheidnen Sozialwohnung am Rand von ana Großstadt.
Am Papier san d’Regeln klar: Sozialwohnraum soll Hauptwohnsitz sein, ka Pied-à-terre. In da Wirklichkeit is des – wia so oft – vü verwicklter.

Da Nochboa g’genüber sagt, er hod d’Denise z’letzt „vor COVID“ gsehn – mit Taschen in da Hand und am Taxi, des unten gwartet hod.
Seitdem schaut d’Wohnung aus, als war’s eig’frozn in da Zeit. Schua sauber beim Eingang aufg’reiht. A Pflanz, de langsam am Fensterbankl eing’ht. D’Leit vom Vermieta hom Fotos g’macht, zwoa Winter ohne Heizverbrauch notiert und an Bericht gschrieb’n.

Für sie is des a klarer Missbrauch von Sozialwohnraum.
Für sie is es einfach: Alt wern is kompliziert.

D’Denise erzählt beim Rechtsberatungsbüro a andere G’schicht – jedem, der z’hör’n will.
Sie sagt, d’Wohnung sei no immer ihr Anker: da Arzt is do, d’Freund san do, d’Papiere san do. Sie hod die Schlüssel, zahlt d’Miet und kummt „von Zeit zu Zeit“, wenn’s ihr gesundheitlich geht.

A klassische Grauzone.
Ned ganz Betrug, ned ganz regelkonform.

Da Vermieta zeigt auf Zählerständ und Aussagen von Nochboan.
Sie zeigt auf Zugtickets und a Stapel Mietquittungen. Dazwischen liegt a bekanntes soziales Drama: a ältere Frau, z’rissn zwischen da Ruah am Meer, wo sie bessa atmen kann, und da Stadtwohnung, die ihr jahrzehntelang Würd und Sicherhoit geb’n hod.

Auf da oan Seit: a System, des unter da Nachfrage stöhnt.
Auf da andern: a alte Frau, die einfach ihr letzts Standbein ned verliern will.

Soziale Vermieta argumentiern: Jede Wohnung, de „halb leer“ bleibt, is a Platz weniger für a Familie, die im Auto schlaft. Des is ned erfund’n. Wartelist’n zieh’n si in Großstädten über Joahr, und manche leb’n monatelang im Hotelzimmer.

Aus dera Sicht schaut d’Denise ihr gelegentlichs Dasein aus wie Luxus: a günstige Basis, die’s kaum nutzt, während andere in überfüllte Garçonnièren z’samm’drängt san.
Und des Gesetz stärkt’s: Sozialwohnungen müssen als Hauptwohnsitz genutzt wern – mit regelmäßiger Anwesenheit und am tatsächlichen Alltag.

Aber des Gesetz wiegt ned immer des Unsichtbare mit.
D’Angst, den Stadtarzt z’verlieren, der die ganze Krankeng’schicht kennt. D’G’wohnheit, seit 30 Joahr mit derselben Buslinie z’fahrn. Des G’fühl, dass ma – wenn ma den Ort aufgibt – den letzten Beweis verliert, dass ma irgendwo no dazugehört.

Manche Akten passen in Tabellen.
Manche Leb’n ned.

Wie soziale Vermieta „seh’n“, ob du wirklich dort wohnst

Für Leut wie d’Denise fangt da Albtraum oft mit am Brief an, wo „Überprüfung der Wohnnutzung“ draufsteht.
Hinter dem Kuvert steckt a ruhigs Arsenal: Zählerständ, Notizen vom Hausbesorger, retour kema Einschreibebrief, manchmal sogoa unauffällige Türbesuche.

D’Methode is simpel: Spuren vom Alltag abgleichen.
Monatelang ka Warmwasser, ka Stromspitzen in da Früh oder am Abend, ka Nochboa, der di a Jahr lang gsehn hod – und da Verdacht wird stärker.

Dann kummt da Fragebogen.
Wo schlafts die meisten Nächt? Wo is da Arzt? Wohin gehn d’Steuerunterlagen? A Antwort, die als „falsch“ gles’n wird, kann schnö kippen.

Ehrlich: So an Brief liest kana entspannt beim Tee.
Den liest ma mit am Kloß im Hals.

A häufige Falln: aus’m Bauch raus antwort’n, wia im Plauscherl mit ana Freindin.
„I bin mehr bei meiner Tochter, die hilft ma“, oder „I bin oft im Landhaus, do is mehr Luft.“ Menschliche Sätz – aber am Rechtsformular kling’n’s wie a G’ständnis.

Manche Pensionist’n seh’n d’G’fahr ned.
Sie glaub’n, Hauptsach is, d’Miet is zahlt. Da Rest fühlt si an wie Bürokratie-Lärm. Und dann kummt amoi a Einschreiben: Kündigung, Zweckentfremdung, Verfahren eing’leitet.

Dann merk’n vü z’spät: Des Gesetz schaut ned nur aufs Geld.
Es schaut drauf, wo du wirklich lebst.

Und wennst älter bist, kann si dei „wirkliches Leb’n“ auf mehrere Ort’ aufteilen, ohne dassd des jemals so geplant hättest.

Leut, die Mieter unterstütz’n, sagn vor allem oans: antwort’n, dokumentiern, erklär’n. Schweigen is de schlechteste Strategie.

„Die meisten wach’n erst auf, wenn die Ladung vom Gericht kummt“, seufzt a ehrenamtlicher Jurist in aner Wohnrechtsberatung. „Dann hod da Vermieta zwoa Joahr Zählerständ, Nochboaaussagn und Briefe ohne Antwort. Da Richter sieht a Akt, ka G’schicht.“

Damit’s ned so weit kummt, empfehln Beratungsstell’n oft, kloane, aber starke Anwesenheitsbeweise z’sammeln:

  • Arzttermine in da Stadt, die mit da Adress z’samm’pass’n
  • Kassazettl von G’schäftln, Apothek’, Öffis
  • Nachweis von Nächten dort: empfangene Einschreiben, mobile Pflege/Heimhilfe, Besuche von Sozialarbeiter:innen
  • Schriftliche Bestätigungen von Nochboan, die di wirklich regelmäßig gsehn hom
  • Jedes amtliche Dokument, wo d’Wohnung als Hauptadress drinsteht (Steuer, Leistungen, Krankenkass’)

Nix davon garantiert an Sieg vor Gericht, aber es ändert den Ton vom Fall.
Auf amoi bist ned nur a „Geistermieter:in“.
Du bist a Mensch, dessen Leb’n ned sauber in a Schachterl passt.

Wenn s’System auf echte Leb’n trifft, seh’ ma die Riss’

D’G’schicht von da Denise trifft an Nerv, weil so vü auf dera brüchigen Kante steh’n.
Die Pensionistin, die zwischen ihrer kloanen Sozialwohnung und’m Haus vom Bruder am Land pendelt. Der getrennte Elternteil, der halbe Woche beim neuen Partner is, aber sich ans alte Adressl klammert – wegen da Schul’ von de Kinder.

In da Tabelle schaut des aus wie Missbrauch.
In da Realität schaut’s aus wie Leut, die mit ihren Mitteln Stabilität festhalt’n.

Manche Richter san dafür empfänglich, andere weniger.
Und dann is no der Dominoeffekt, über den kana red’t: Wenn d’Denise fliegt – wos passiert dann? Sie verliert oft Rechte auf andere gförderte Modelle, rutscht in an privaten Mietmarkt, den sie si ned leisten kann, oder landet … wieder auf aner Wartelist’n.

Jede:r kennt den Moment, wo a amtlicher Brief di um zehn Joahr kleiner macht.
Ma liest’n dreimal und is no immer ned sicher, was’s eigentlich woll’n. Ma sagt si: „Moch i morg’n“, und dann kummt s’Leb’n dazwischen.

Genau do könn’n kloane Gest’n die G’schicht ändern: früh mit ana Sozialarbeiter:in red’n. Vor Frist antwort’n. An Termin verlangen statt den Brief vergrab’n. Es löscht die Regeln ned aus, aber es bremst oft d’Maschin’.

D’Denise hod entschieden, z’kämpfen.
Sie weiß, sie kann verliern. Aber d’Räumung anz’fechten is a Art z’sagn: „I bin do a no.“

Wohnungskrisen werd’n meistens mit großen Wörtern und Zahlen beschrieben.
Meistens schau’n’s in Wirklichkeit aus wie a zua Tür, a stilles Stiegenpodest – und a Nochboa, der si fragt: „Was is eigentlich aus ihr word’n?“

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser:innen
Sozialwohnung muss Hauptwohnsitz sein Lange Abwesenheiten, geringer Energieverbrauch und Nochboaaussagn können Kontrollen auslös’n Erklärt, warum Vermieta rechtlich a Räumung verfolgen können
Papier-Spuren zähln so vü wie Mietzahlungen Anwesenheitsnachweise (Termine, Belege, Bestätigungen) können vor Gericht ins Gewicht fall’n Gibt konkrete Ideen, wie ma si bei Vorwürfen schützen kann
Frühes Reagiern ändert den Ton im Fall Kontakt zu Beratungsstell’n und fristgerechte Antworten vermeiden „stille Schuldannahm“ Ermutigt zu proaktiven Schritten, bevor Konflikte eskaliern

FAQ:

  • Kann i meine Sozialwohnung behalt’n, wenn i mehrere Monat im Jahr woanders bin?
    Rechtlich muss Sozialwohnraum dei Hauptwohnsitz bleib’n – des heißt, du lebst dort den größten Teil vom Jahr und dei Alltag is an die Adress g’bund’n. Längere, wiederholte Abwesenheiten können als Zweckentfremdung g’werta werd’n, vor allem wenn’s über mehrere Joahr geht.
  • Reich’n Energie-Zählerständ, um z’beweis’n, dass i ned dort wohn?
    Es is a starker Hinweis, aber meistens kombiniern Vermieta des mit andern Elementen: ned abgholte Post, Nochboan, die di nie seh’n, Besuche, wo d’Wohnung „eing’frozn“ wirkt. A Richter schaut aufs Gesamtbild, ned nur auf a Zahl.
  • Schützt mi pünktliche Mietzahlung vor Räumung?
    Na. Zahlen is wichtig, aber bei Sozialmietverträgen braucht’s a tatsächliche, regelmäßige Nutzung als Hauptwohnsitz. Ma kann a ohne Mietrückstand geräumt werd’n, wenn die Wohnung als zu wenig genutzt oder als Zweitwohnsitz beurteilt wird.
  • Wos soll i tun, wenn i an Brief zur Überprüfung meiner Wohnnutzung kriag?
    Innerhalb da Frist antwort’n, die Situation klar und einfach erklären und alle Unterlagen beilegen, die dei reale Anwesenheit belegen. Du kannst da Unterstützung bei Rechtsberatung, Mietervereinigung oder bei Sozialarbeiter:innen hol’n.
  • Kann a Anfechtung von ana Räumung wirklich wos ändern?
    Ja. In manchen Fällen weist da Richter die Räumung ab, gibt mehr Zeit oder berücksichtigt Gesundheit und soziale Umständ. Automatisch is nix – aber mit a dokumentierten G’schicht vor Gericht wird’s oft differenzierter als mit Schweigen.

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